Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V.

Der HD-Zuchtwert


Die richtigen Antworten auf die häufigsten Fragen

Wo kann ich meinen Hund hinbringen, um seinen Zuchtwert schätzen zu lassen?, oder welcher Zuchtwert ist besser, über 100 oder unter 100?. So lauten die Fragen zur Zuchtwertschätzung HD, die immer wieder an die Hauptgeschäftsstelle gestellt werden.
Wir haben deshalb noch einmal die häufigsten Fragen zusammengestellt und von Herrn Dr. Beuing, dem wissenschaftlichen Leiter des Projekts, für Sie beantworten lassen:
 

1. Wie berechnet sich der Zuchtwert HD für meinen Hund? Wie sieht die Formel dafür aus?

Eine Formel gibt es in diesem Rechenverfahren nicht direkt. Der Zuchtwert jedes Tieres wird zu Beginn der Berechnung als Unbekannte angesehen. Dann wird für jedes Tier eine Gleichung aufgestellt, in der Form: HD = Rassenmittel + Zuchtwert dieses Tieres + Verfälschung des Geschlechtes + sonstige Wirkungen. In dieser Gleichung sind Rassemittel, Zuchtwert und Geschlechtseffekt als Ursache für HD formuliert. Im SV werden so für 450.000 Tiere 450.000 Gleichungen aufgestellt mit den 450.000 unbekannten Zuchtwerten. Mathematisch werden dann einige Zusatzbedingungen über Vererbungsgesetze und Erblichkeit formuliert. Der Computer muss anschließend die 450.000 Gleichungen mit den 450.000 Unbekannten lösen. Die Lösungen sind dann die geschätzten Zuchtwerte. Eine Formel, in der für einen Hund separat der Zuchtwert berechnet wird, gibt es somit nicht.
 

2. Welche Rolle spielt der eigene HD-Befund meines Hundes für seinen HD-Zuchtwert?

Der eigene HD-Grad modifiziert das, was man über die Linie (Vater und Mutter) schon wusste. Geschwister (gleicher Vater und gleiche Mutter) unterscheiden sich durch einen evtl. unterschiedlichen HD-Grad. Wenn ein Tier Nachkommen hat, tritt der eigene HD-Grad mehr und mehr in den Hintergrund. Bei 30 - 40 Nachkommen spielt er praktisch keine Rolle mehr.
 

3. Wie wird ein ausländisches "a" für die Zuchtwertschätzung HD bewertet?

Ausländische Hunde mit "a" werden im Rechenverfahren derzeit so gewertet, als wären sie nicht geröntgt. Ihr Zuchtwert ergibt sich nur aus den untersuchten Verwandten. Da die Tiere nicht eindeutig als "frei" oder "noch zugelassen" einstufbar sind, wäre eine Annahme im Einzelfall ungerecht.
 

4. Wieso kann ein Hund, der selbst nicht geröntgt wurde, einen Zuchtwert für HD haben?

In dem Gleichungssystem (s.a. Antwort auf Frage 1) gibt es eine Nebenbedingung, dass der Vater (und die Mutter) die Hälfte seiner Erbanlagen an die Nachkommen weitergibt. Daher ist der Zuchtwert der Nachkommen auch schätzbar, wenn man über das Tier nichts weiß (ungeröntgt), solange der Zuchtwert von Vater und Mutter bekannt ist. Genauso ist auch ein Elterntier schätzbar, wenn man Nachkommen kennt, denn Nachkommen haben die Hälfte der Erbanlagen von den Eltern. Geschwister helfen einerseits die Eltern zu charakterisieren, das Wissen über die Zuchtwerte der Eltern hilft andererseits, die Zuchtwerte der ungeprüften Geschwister zu schätzen.
 

5. Wie genau kann die Zuchtwertberechnung für HD sein, wenn für mehr als die Hälfte der Welpen pro Jahr gar kein HD-Befund vorliegt?

Bei der Zuchtwertschätzung kommt es nicht auf den Prozentsatz der Welpen an, sondern auf die absolute Zahl. Der letzte Bundessieger hat derzeit 91 geröntgte Nachkommen, die seine Vererbung gut charakterisieren.
 

6. Meine Hündin hat bisher das "a" gut vererbt. Was passiert, wenn ich sie mit einem Rüden mit einem HD-Zuchtwert über 100 anpaare?

Wenn die Hündin gut vererbte, muss das ihr Zuchtwert ausweisen. Gute Nachzucht kann jedoch auch aus guten Anpaarungen resultieren. Wenn die Hündin z. B. mit einem Rüden von 100 angepaart wird, steigt das Risiko für die Welpen. Die Hündin wird nur belastet, wenn die Welpen schlechter werden, als es mit dem Rüden zu erwarten war.

Generell gilt, dass Rüdenbesitzer gut beraten sind, wenn sie auch “schlechte“ Hündinnen akzeptieren, denn an schlechten Hündinnen kann ein Rüde am besten zeigen, dass er verbessert.

Bei HD, wo es freier als frei nicht gibt, ist es schwer, an Spitzenhündinnen eine positive Vererbung nachzuweisen.
 

7. Wie fließen Hunde, die keinen Röntgenbefund haben, in die HD-Zuchtwertberechnung ein?

Derzeit sind ungeröntgte Tiere "neutral" für die Zuchtwertschätzung, sie werden nicht beachtet.
 

8. Was bedeutet der mittlere Zuchtwert 100 und die im Zuchtplan genannte Standardabweichung von 10 Punkten?

Der Zuchtwert 100 bedeutet, dass das Tier rassetypisch vererbt. Derzeit liegt der Rassedurchschnitt bei 1,71, also zwischen HD-frei und leichter HD. Die Vererbung kann besser oder schlechter als 100 sein. Die durchschnittliche Abweichung nach oben und unten wird im Mittel auf 10 Punkte eingestellt.
 

9. Was bedeutet ein Zuchtwert über 100 für meinen Hund?

Der Zuchtwert über 100 für den eigenen Hund bedeutet, dass er verschlechternd vererbt. Da selbst der Rassedurchschnitt noch unbefriedigend ist, sollten Paarungen angestrebt werden, die unter 100 liegen. Dabei darf "das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden". Die erste Priorität hat Leistung, Wesen usw. Wenn man einen Deckrüden findet, der die Welpenerwartung (Durchschnitt von Rüde und Hündin) unter 100 drückt, ist das ausreichend.
 

10. Was bedeutet umgekehrt ein Zuchtwert unter 100 für meinen Hund?

Ein Zuchtwert unter 100 bedeutet, dass man in der Wahl wesensfester, leistungsstarker und exterieurmäßig guter Rüden viele Freiräume hat, selbst wenn deren Zuchtwert über 100 liegt. Bei einer 83er Hündin kann selbst ein Rüde mit 117 akzeptiert werden!
 

11. Kann ein Zuchtwert auch für andere Kriterien als HD berechnet werden und wenn ja, für welche?

Eine Zuchtwertschätzung kann auch für andere Merkmale vorgenommen werden. Wichtig ist dabei, dass das Merkmal genau definiert ist. Als nächstes ist angedacht, die Größenvererbung zu beschreiben. Diese Zuchtwerte wären dann rein informativ für die Planung des Züchters. Auflagen dazu wird es nicht geben.

Dr. Reiner Beuing
Universität Gießen